Pferde  machens  vor!

Pferde sind Vegetarier und Nomaden. Sie leben über die ganze Welt verteilt und ziehen in Freiheit auf der Suche nach Futter Tausende von Kilometern. Im Winter und bei Dürre ist das Futterangebot nur spärlich, holzige Stängel von Unkraut und Gestrüpp stehen gerade dann auf dem Speiseplan, wenn Energie zusätzlich benötigt wird. Deshalb sind Pferde Meister im Energiesparen. Sie können in ihrem Blinddarm Rohfaser mikrobiell aufschließen und so daraus Energie, aber auch lebensnotwendige Stoffe wie Vitamine gewinnen.

Außerdem sorgt das Wildpferd vor: es frisst sich in den Sommermonaten eine Speckschicht an, die in mageren Zeiten aufgezehrt wird. Im Herbst wächst gegen Kälte ein dickes Haarkleid, die Baustoffe dafür gehen in dieser Zeit nicht mehr in die Hufe, die deshalb langsamer wachsen, gerade richtig für den winterlich weichen Boden.

Körperbau und Körperfunktionen sind so konstruiert, dass ein Organ das andere unterstützt und nicht nur dem Einzelzweck dient. Wir kennen das heute unter dem Modebegriff ‚Synergie-Effekte’.

So dient die Schrittbewegung bei Pferden nicht nur dem Vorankommen beim Grasen oder zur Wasserstelle (16 Stunden am Tag), sondern sie dient auch als Blutpumpe; das Pferd braucht dadurch nur ein relativ kleines Herz und spart Energie. Für schnelle Flucht hat die Natur einen zusätzlichen Trick eingebaut: die Pferde-Milz kann bei Gefahr kurzfristig rote Blutkörperchen ausschütten und damit die Sauerstofftransport-kapazität erhöhen. Die Schrittbewegung massiert auch den 30 Meter langen, mit Raufutter angefüllten Darm und stellt die Peristaltik (Darmpassage) sicher.

Pferde passen sich Jahresverlauf, Klima und Umgebung perfekt an. Sie weisen trotz – in unseren Augen – erschwerten Bedingungen ein glänzendes Haarkleid und gute Bemuskelung auf.

Nun können Pferde nicht freilaufend in der Wildnis leben. Wir wollen sie nutzen, reiten und bei uns am Haus halten. Trotzdem können wir diese Bedürfnisse mit modernen Haltungsverfahren berücksichtigen. Tierschutzwidrig ist es, die eigenen, menschlichen Bedürfnisse auf Pferde zu übertragen (z.B. drei energie- und eiweißreiche, große Mahlzeiten, wenig Ballaststoffe, wenig Schrittbewegung, warme Wohnung, Decken, Nachtruhe). Wir sollten uns bewusst sein, wie EIN  Eingreifen in den ‚Haushalt’ des Pferdes sich auch auf alle anderen Körperfunktionen auswirkt.

Für Pferde als Energiesparer gilt: weniger ist mehr. Ein ständiges Trainieren der Anpassungsmechanismen ist erforderlich.

Über diese und weitere Zusammenhänge informiert die Kölner Pferde-Akademie und bietet professionelle Qualifikationen für Pferdehalter, Fach- und Führungskräfte im Pferdebereich an. Der nächste Pferdefachwirt-Lehrgang startet am 9.1.2014.