Service und Kommunikation im Vorfeld prüfen

Frau K. hat ein Reitpferd gekauft und schaut sich nun nach einem geeigneten Pensionsbetrieb für dieses um. Es handelt sich um ein Freizeitpferd, einen Allrounder, den Frau K. gymnastizieren, also longieren, reiten sowie Bodenarbeit mit ihm machen möchte, und mit ihm ins Gelände gehen. Außerdem möchte Frau K., dass es ihrem Pferd gut geht, die Fütterung stimmt, es soll sich auch im Winter frei bewegen können und Kontakt zu anderen Pferden haben, im Sommer natürlich Weidegang. Frau K. hat täglich 2 Stunden Freizeit, die sie für ihr Pferd reservieren kann. Im Urlaub und bei Arbeitsspitzen kann Frau K. gar nicht kommen.

Damit sie nicht enttäuscht wird, die Anlage nach kurzer Zeit wieder verlässt und damit das so genannte Reitstall-Hopping befördert und neben dem eigenen Aufwand auch dem Pferd und dem Betriebsleiter schadet, sollte sie vorher sorgfältig abklären, ob ihre Bedürfnisse und die ihres Pferdes abgedeckt werden.

Zunächst schaut sie sich die Anlage baulicherseits an. Handelt es sich um konventionelle Boxenhaltung, Paddockboxen mit Weidegang, Offenstallhaltung oder einen Bewegungsstall? An dieser Stelle sei gesagt: in jeder Haltungsform ist eine Kunden- und Pferdefreundliche Betreuung möglich und – leider auch das Gegenteil.

Es kommt also ganz entscheidend auf das Management von Pferden und Kunden an. Und das steht meist nicht im Vertrag und sieht man nicht auf den ersten Blick. Also erkundigt sich Frau K. im Vorfeld beim Betriebsleiter und bei anderen Einstellern.

Trainingsmöglichkeiten: Nicht nur das Vorhandensein von Halle, Reitplatz, Longierzirkel und Führmaschine, sondern auch deren Verfügbarkeit, Pflege, Regeln und Kontrolle stellen einen reibungslosen Gebrauch sicher. Wie sieht es im  -neuerdings- sechsmonatigen Winter aus?
Weidegang: Gibt es ausreichend Weiden? Wann sind sie verfügbar, mit welchen Gruppen? Werden die Pferde raus und reingebracht?
freie Bewegung im Winter: Gibt es Winterpaddocks? Wann sind sie verfügbar, mit welchen Gruppen? Werden die Pferde raus und reingebracht?
Schritt-Training: Gibt es eine Führmaschine und werden die Pferde hineingebracht?

Gruppenzusammenstellung: Wie wird in Gruppenhaltung das Verletzungsrisiko minimiert?

Hygiene: Wird der Pferdebesitzer zum Abäppeln großer Flächen eingebunden?

Fütterung: Gibt es die Möglichkeit für Dauerfütterung? Können individuelle Zusätze und Rationen betrieblicherseits vorgelegt werden? Kosten?

Medikamente und Ausrüstung: Können individuelle Medikamente, Decken, Gamaschen und Behandlungen betrieblicherseits angelegt, bzw. verabreicht werden? Kosten?
Transport: Bietet der Betrieb den kostengünstigen Pferdetransport für vereinzelte Situationen an? (Betriebswechsel, Klinik).

Pflege: Gibt es ausreichend wettergeschützte Putzplätze, für alle, auch nach der Arbeit um 17 Uhr?

Hufbearbeitung und Tierarzt: Gibt es einen geeigneten und separaten Platz für die Hufbearbeitung bzw. eine eventuelle Behandlung vom Tierarzt?

Komfort für Reiter: Gibt es beheizte und saubere WCs? Gibt es im Winter einen Raum zum Aufwärmen? Gibt es Duschen und Umkleiden?

Instandhaltung: Wird der Betrieb fortlaufend instand gehalten, einschließlich der Kleinigkeiten (z.B. Glühbirnen, E-Zaun, Scharniere, Zubehör)? Funktionieren alle angebotenen Features?
Beratung: Bietet der Betrieb professionelle Beratung zu Hufschmied, Tierarzt, Hygiene, Ausrüstung, Fütterung, Reitlehrer an?
Organisation, Kontrolle, Konfliktmanagement: Wird unaufdringlich und freundlich für das Einhalten der Regeln gesorgt (Sicherheit, Sauberkeit, Ordnung, Nutzung der Anlage, Bahnregeln)?
Atmosphäre und Kommunikation: Sind Fragen und Vorschläge willkommen? Wird auf Sonderwünsche eingegangen, z.B. Hundefreilauffläche, Kinderbetreuung, Liegestühle an der Weide? Gibt es Einstellerversammlungen für mehrheitliche Entscheidungen? Wird über Neuerungen/Probleme informiert? Wird Reden hinter dem Rücken unterbunden? Werden Konflikte, auch unter den Einstellern, angesprochen und mit GfK gelöst? Wird Hilfsbereitschaft gefördert? Gibt es gemeinschaftliche Aktivitäten? Wie ist das ‚Stallklima’?

Frau K. entscheidet sich für einen Betrieb, der zwar der Teuerste ist, aber in dem ihr Pferd individuell versorgt wird, auch wenn sie nicht kommen kann, weil sie sehr in Beruf und Familie eingebunden ist. Sie kann sich in ihrer Freizeit komplett dem Training und dem Umgang mit dem Pferd widmen. Wenn sie je Strecke 30 Minuten Fahrtzeit hat, verbleiben ihr nur 60 Minuten fürs Pferd täglich.

Oder sie kommt –ohne schlechtes Gewissen- jeden 2. Tag, dafür länger und in Ruhe. Damit hat sie, neben der Zeit, auch viel Spritgeld gespart.

Sachkunde für Pferdebesitzer bietet die Kölner Pferde-Akademie an: Zusammenhänge erkennen und auf dem neuesten Stand sein! Detaillierte Infos unter 0221 44900250 oder www.koelnerferdeakadmie.de Der nächste Kurs inkl. Transportbefähigung ist vom 12.-15.9.2013.